Armut durch Existenzgründung bekämpfen

Panel-Diskussion

Zu viele Menschen in Um- und Aufbruchländern sehen sich mit fehlenden Perspektiven und großer Armut konfrontiert. Viele Tausende nehmen angesichts der hoffnungslosen Situation in ihrer Heimat und der Verheißung auf Wohlstand und Frieden größte Risiken in Kauf und versuchen nach Europa zu gelangen – und zahlen dabei oft mit ihrem Leben. An dieser Situation wird sich wenig ändern, so lange sich die Lebensumstände dieser Menschen in ihren Heimatländern nicht verbessern.

Kann internationale Existenzgründungsförderung ein Ansatz sein, diese Umstände zu verbessern? Diese Frage diskutierten drei Experten bei einer Panel-Diskussion in der Westerwelle Foundation. Anlass war der Besuch der fünf Stipendiaten der Westerwelle Foundation, die an dem Ein-Jahres-Programm der The DO School für Existenzgründer teilnehmen.

Auf dem Panel saßen Marina Schuster, Vorstand der Deutschen Afrika Stiftung, Sophie Eisenmann, Mitgründerin und CFO von Yunus Social Business, und Florian Hoffmann, Gründer und Präsident des Kooperationspartners The DO School.

Die Experten stimmten darüber ein, dass Existenzgründung unbedingt ein Instrument sein kann, wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. „Es gibt überall auf der Welt so viele junge Talente, mit so vielen einzigartigen und guten Ideen, es muss ihnen nur eine Perspektive gezeigt werden“, sagte Florian Hoffmann. Als Präsident der The DO School habe er viele junge Menschen aus ärmlichen Verhältnissen kennengelernt, die alle eines verbindet – und zwar der unbedingte Wille, ihre Träume in die Tat umzusetzen und eine Existenz zu gründen, von der nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Umwelt profitieren. Und dort, wo Regierungen und NGOs, aber auch Unternehmen Impulse geben können, könnten sie auch einen Unterschied machen.

Marina Schuster schloss sich dieser Feststellung an. Sie wisse, dass das Potenzial beispielsweise auf dem afrikanischen Kontinent enorm sei, die Hürden jedoch, tatsächlich ein eigenes Unternehmen zu gründen, an verschiedensten Stellen ebenso hoch seien. Es reiche deswegen nicht, in der Entwicklungshilfe nach dem Gießkannen-Prinzip Mittel zu verteilen. Vielmehr müsse die Schaffenskraft und Bereitschaft der Menschen vor Ort genutzt und gezielt gefördert werden. Beispielsweise durch Beratungsangebote für Existenzgründer.

Sophie Eisenmann von Yunus Social Business betonte, dass die kontinuierliche Begleitung und Beratung von Existenzgründern und Startups ebenso bedeutend seien wie die finanziellen Starthilfen. Langfristig könnten sich in Um- und Aufbruchländern nur dann Unternehmer etablieren, wenn sie auch beim zweiten und dritten Schritt in die Selbstständigkeit Beratung und Unterstützung in Anspruch nehmen könnten.