Jugendarbeitslosigkeit in Tunesien

Workshop zu Beruflicher Bildung, Existenzgründungsförderung und Entrepreneurship-Education

"Tunesien ist ein wundervolles Land mit großen Chancen und deshalb zurecht ein Chancenland für die Arbeit der Westerwelle Foundation."
Amel Karboul, Tourismusministerin von Tunesien

Eine rechtsstaatliche Demokratie und eine freiheitliche Wirtschaftsordnung: Das sind die Zutaten, aus denen stabile Staaten entstehen, in denen sich die Menschen entfalten, ihr Schicksal selbst bestimmen und ihr Glück finden können.

Tunesien ist auf einem sehr guten Weg, so ein Staat zu werden. Darin waren sich alle Teilnehmer eines hochkarätig besetzten Workshops einig, zu dem die Westerwelle Foundation im Oktober nach Berlin eingeladen hatte. In Tunesien nahm 2010 das seinen Anfang, was alle Welt heute als „Arabischen Frühling“ bezeichnet. Doch während in nahezu allen anderen arabischen Ländern aus dem Frühling der Reform ein teilweise bitter kalter Herbst der Restauration geworden ist, geht Tunesien seinen Weg weiter. Und viele meinen, dass Tunesien als Modell für den Übergang von einer Diktatur zu einer echten arabischen Demokratie die ganze Region stabilisieren kann.


Land im Umbruch


Darauf wies in ihrem Grußwort auch Hayet Talbi hin, die Geschäftsträgerin a. i. der Botschaft der Tunesischen Republik in Deutschland. Sie erinnerte daran, wie wichtig der wirtschaftliche Aufschwung für die Entwicklung der Demokratie in ihrem Land ist. Vor allem im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit sei Deutschland von Anfang an ein wichtiger Partner gewesen.

Hans-Jürgen Beerfeltz, Generalsekretär der Westerwelle Foundation, erklärt bei seiner Begrüßung, Tunesien sei wesentlich weltoffener als die meisten anderen Länder der Region.

"Tunesien ist ein Chancenland und deshalb ein idealer Partner."

In ihrem Impulsreferat beleuchtete die Arbeitsmarktexpertin Hildegard Vogelmann vom GIZ-Büro Tunis vor allem drei Hauptprobleme: Akademikerarbeitslosigkeit, kultureller Wert von (handwerklicher Arbeit) und Misstrauen gegenüber der Privatwirtschaft.


Märkte öffnen, Mitarbeiter qualifizieren

In ihren Erfahrungsberichten legten die Teilnehmer dann sowohl den Finger in offene Wunden – zeigten aber auch Lösungsansätze auf. Man müsse Märkte für Tunesien öffnen und gleichzeitig dafür sorgen, dass neue Unternehmen auch im Land selbst Steuern zahlen. Die Qualifizierung der jungen Menschen müsse deutlich stärker am Bedarf des Arbeitsmarktes ausgerichtet werden und Unternehmen und Unternehmer müssten als leuchtende Beispiele selbst das gesellschaftliche Ansehen der Privatwirtschaft und des Unternehmertums erhöhen. Dazu würden Netzwerke gebraucht – Vorstufen zu Unternehmer- bzw. Arbeitgeberverbänden.

Beim anschließenden gemeinsamen Abschlussessen wurde noch bis tief in die Nacht weiter diskutiert. Dabei zeigte sich vor allem eines: Nicht nur für die Westerwelle Foundation ist Tunesien ein Chancenland!